Pemat-Betonmischer im Handgepäck

Pemat-Betonmischer im Handgepäck

Schrauben oder Schmuck in Kundengesprächen an den Mann zu bringen, stellt logistisch kein Problem dar. Alles passt in der Regel in einen Koffer oder auf einen Messestand. Ganz anders sieht es aus, wenn Unternehmen, die große Maschinen oder ganze Anlagen produzieren, ihre Produkte präsentieren wollen. Betonmischer zum Beispiel passen schlecht ins Handgepäck. Oder etwa doch?

Wenn Thomas Stahl mit seinen Kollegen in den Emiraten, im Oman, in Indien oder irgendwo anders auf der Welt seine Produkte präsentiert, sind alle Feuer und Flamme. Die riesigen Mischer und Mischanlagen, die die Pemat GmbH produziert und weltweit verkauft, führen der Firmenchef und seine Mitarbeiter im Handgepäck mit. Natürlich nur im übertragenen Sinne, denn er kann sie mittels VR-Technologie nicht nur von überall aus visualisieren, sondern regelrecht zum Leben erwecken. Dabei wird mit Performance und Showeffekten nicht gespart: Wer die VR-Brille aufsetzt, kann nicht nur die Mischer in Lebensgröße ansehen und begehen, sondern am Ende eines virtuellen Rundgangs gleich noch einen atemberaubenden virtuellen Stunt hinlegen. Wenn er sich traut. „Diesen kleinen Nervenkitzel haben wir bewusst eingebaut“, sagt Thomas Stahl, „da kriegen die meisten weiche Knie. Das macht total Spaß und so bleiben wir in Erinnerung.“

Spektakuläre Erlebniswelten

Die Virtual Reality-Anwendung, die das Kaiserslauterner Startup ZReality für Pemat entwickelt hat, ist konzipiert, um Produkte in einem virtuellen Showroom zu inszenieren. Das sieht dann so aus: In einer fiktiven Industriehalle stehen alle Mischer bereit wie in einem riesigen Laden. Ein Klick auf ein Modell – und schon poppt der ausgewählte Mischer neben einem in Lebensgröße auf. Dieser lässt sich jetzt wie in der Realität von allen Seiten genau betrachten und erlaubt sogar ein Blick ins Innere, wo Mischwerkzeuge, Seitenabstreifer und Wischer – auf Wunsch auch im Makro – zu sehen sind. Wer genug gesehen hat, schlendert virtuell weiter durch eine Tür nach draußen. Dort steht eine riesige Mischanlage – samt Silos und Beschickungssysteme. Auch das bietet Pemat an. Der Zutritt ist ausdrücklich erwünscht. Wer sich umsehen, die Treppe hinaufgehen, in das riesige Silo schauen und die Anlage mal ganz durchschreiten will, um einen Eindruck von der Größe zu bekommen: Bitte. Die Anlage gehört für ein paar Minuten ganz dem Betrachter.

„Das Ganze ist so echt, dass man meint, man könnte die Gegenstände wirklich anfassen“, sagt Stahl. Und tatsächlich, es passiert nicht selten, dass Leute, während sie in den virtuellen Showroom abtauchen, die Hand ausstrecken, um nach dem, was sie sehen, zu greifen. Der Griff geht natürlich ins Nichts. Genauso wie der Sprung vom schwindelerregend hohen Silo, auf das man am Ende des Rundgangs teleportiert wird. Springen oder nicht springen? „Nicht jeder traut sich“, erzählt Jochen Rauls, verantwortlich für Digitalisierung und Marketing bei Pemat, „die Situation ist schon ungemein realistisch und es geht ganz schön in die Tiefe.“

„Das Zauberwort heißt Immersion“, erklärt Jan Knieriemen, COO bei der ZReality. „Dabei wird mittels VR-Technologie eine virtuelle Umgebung erzeugt, die als real empfunden wird. Die Grenze von Realität und Fiktion wird so gut wie aufgehoben.“

VR stellt alles auf den Kopf

Bereits vor einigen Jahren hat Pemat auf der Bauma, der weltweit bedeutendsten Messe der Baumaschinen- und Bergbaumaschinenbranche, mit einem virtuellen Flug durch einen Mischer für Aufsehen gesorgt. „Wir waren vor drei Jahren einer der Ersten auf der Bauma mit VR“, sagt Stahl, „und sind immer noch die einzigen, die es so weit treiben mit dieser Technologie.“ Die Technologie ist revolutionär und stellt alles bisher Dagewesene auf den Kopf. Mit Virtual Reality werden virtuelle Showrooms geschaffen, in denen man nahezu alles präsentieren kann. Jeder kann seine Produkte individuell in Szene setzen, interaktiv, animiert, mit und ohne Showeffekte, Storytelling – immer eingebettet in einen ganz individuellen Kontext. Damit werden die Showrooms zu (emotionalen) Erlebniswelten. Stahl ist der Meinung, dass VR in Zukunft die Präsentation von Produkten völlig umkrempelt: „Die Gimmicks gefallen den Leuten. Man muss vor allem auch an die Generation von morgen denken. Die jungen Leute wollen so etwas, sie sind modern und wollen etwas Neues sehen und erleben und auch unterhalten werden. Und sie wollen einen guten Zugang zum Produkt. All das kann VR.“

Doch nicht nur das: Bei Pemat wird auch in Sachen Maintenance und Wartung bereits vorausgedacht. „Wir führen mit dem virtuellen Showroom bereits Schulungen durch. Der Vorteil ist, dass man bei dieser Anwendung all das vom Mischer sehen kann, was man will,“ sagt Stahl.

Auch Jan Knieriemen von ZReality ist überzeugt: „VR ist das Ding der Zukunft, wenn es um Produktpräsentationen geht. Unsere Showrooms matchen mit allen Produkten, da gibt es fast gar keine Grenzen. Unternehmen erkennen immer mehr, wieviel Potenzial da drin steckt.“ Schrecken diese nicht momentan noch vor den hohen Kosten zurück? „Diese Technologie ist mittlerweile in den Köpfen der Leute angekommen. Wir stehen da heute schon ganz gut da. VR ist wesentlich erschwinglicher geworden“, so Knieriemen. „Der entscheidende Punkt ist der Output und der branchenübergreifende Nutzen von VR als Marketinginstrument der Zukunft. Das kann gar nicht hoch genug bewertet werden.“